Überreizung erkennen
& begleiten
Ein interaktives Werkzeug für Pädagoginnen in Kita, Grundschule und Hort – damit der Alltag für alle ruhiger wird.
Welche Kinder erkennst du in deiner Gruppe?
Dieser kurze Selbsttest hilft dir zu erkennen, welche Überreizungsmuster in deiner Gruppe auftreten – und was jedes Kind dahinter braucht.
1. Welches Verhalten beobachtest du am häufigsten, wenn Kinder nach der Schule/Pause zu dir kommen?
2. Wenn ein Kind in der Gruppe ausrastet, was passiert meistens vorher?
3. Was hilft in deiner Gruppe am schnellsten wenn ein Kind überfordert wirkt?
4. Wie reagierst du selbst wenn es in der Gruppe laut und chaotisch wird?
5. Was fehlt dir am meisten im pädagogischen Alltag um überreizten Kindern besser zu helfen?
Fast da – noch ein Schritt
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Deine Gruppe braucht Raum zum Ankommen
Basierend auf deinen Antworten zeigt sich: In deiner Gruppe sind wahrscheinlich beide Regulationstypen vertreten – das Kraftkind das Energie rauslassen muss, und das stille Kind das Raum und Stille braucht.
Das Gute: Der erste Schritt ist für beide gleich. Reizreduktion zuerst. Weniger Input, mehr Raum. Und wenn möglich: raus.
Im Werkzeugkoffer-Tab findest du konkrete Ideen die du sofort einsetzen kannst. Im Mini-Kurs lernst du warum das funktioniert.
Dein Werkzeugkoffer
Praktische Werkzeuge für den pädagogischen Alltag – zum Abhaken wenn du sie ausprobiert hast.
🌿 Ankommen lassen – Reizreduktion
💨 Energie rauslassen – Regulation
🤝 Verbindung – Resonanz
🔁 Rituale – Ritualisierung
🌱 Für dich selbst
Mini-Kurs: Überreizung verstehen
4 kurze Lerneinheiten – jede dauert ca. 5 Minuten. Du kannst sie in beliebiger Reihenfolge durcharbeiten.
Stell dir vor du arbeitest 6 Stunden in einem lauten Großraumbüro. Dreißig Menschen reden gleichzeitig, du musst zuhören, mitschreiben, kooperativ sein. Immer aufmerksam. Immer freundlich.
Und dann steigst du ins Auto und jemand fragt sofort: „Wie war dein Tag?“
Genau so fühlt sich der Schulalltag für Kinder an. Jeden Tag.
Das gilt auch in der Betreuung: Kinder die nachmittags bei dir ankommen, bringen ihren vollen Rucksack mit. Was wie Trotz, Aggression oder Rückzug aussieht, ist ein überlastetes Nervensystem das einen Ausweg sucht.
Beide zeigen dasselbe darunter: Ein Nervensystem das gerade keine Kapazität mehr hat.
Jeder Mensch hat ein „Toleranzfenster“ – einen Bereich in dem das Nervensystem reguliert ist und Lernen, Spielen und Kontakt möglich sind.
Ist ein Kind zu lange zu vielen Reizen ausgesetzt, verlässt es dieses Fenster. Es ist dann entweder im Hyperarousal (Ausraster, Hyperaktivität) oder im Hypoarousal (Rückzug, Erstarren).
Was hilft? Zuerst das Nervensystem wieder in den regulierten Bereich bringen. Das ist R1 und R2 im 4R-Modell. Erst dann – Gespräche, Regeln, Lernen.
Das 4R-Naturregulationsmodell gibt dir einen einfachen Kompass für überreizte Kinder – vier Schritte die aufeinander aufbauen.
In der Praxis: Wenn ein Kind ausrastet – nicht erklären, nicht diskutieren. Erst raus (R1), dann Energie rauslassen (R2), dann Kontakt anbieten (R3).
Das Nervensystem eines Kindes reguliert sich am Nervensystem einer ruhigen Bezugsperson. Das nennt sich Co-Regulation.
Das bedeutet: Du bist nicht nur Begleiterin – du bist das Werkzeug. Deine eigene Ruhe überträgt sich direkt auf die Kinder in deiner Gruppe.
Das bedeutet nicht, dass du immer perfekt ruhig sein musst. Aber es bedeutet: Deine eigene Regulation hat direkten Einfluss auf die Kinder.
Praktisch: Auch für dich gelten die vier R. Kurz raus in der Pause. Tief atmen vor dem Betreten der Gruppe. Einen Moment innehalten. Das reicht.